Zigeunerrhythmen im Sommer
Mecky-Balog-Quartett mit Swing im Salvator-Gemeindehaus

12.06.1991 SZ
Zigenerrhythmen im Sommer
Mecky-Balog-Quartett mit Swing im Salvator-Gemeindehaus

Traditionen sind langlebig, und sind sie erst einmal etabliert, kommt man schwer wieder davon weg. Dies kennt auch der Kulturkreis Weilmdorf, der jedes Jahr einen Sommerabend abhält, ganz gleich bei welcher Hitze auch immer. Auch in diesem Jahr sollte die Temperatur im „gut geheizten Salvator-Gemeindehaus die Besucher eher unter die kalte Dusche treiben.
Trotzdem kamen viele Gäste zu' dem „Mecky-Balog-Quartett", welches das Kulturamt der Stadt Stuttgart für Weilimdorf engagierte. Dies sind vier junge Musiker, die sich dem Zigeuner-Swing im Stile Django Reinhardts verschrieben haben, der in den zwanziger Jahren mit seiner Solo-Gitarre in Paris von sich reden machte.
Dies ist natürlich ein Anspruch, der eingelöst sein will, und dabei hinterließ der Abend schon etwas an Skepsis. Wo die Gruppe sich dem Drive des Swing-Rhythmus ganz überließ, kam so etwas wie Prikkeln Reinhardtscher Musik hoch, die sich heute noch bei überkommenen Platten vermitteln läßt. Leider versuchte sich das Quartett auch an dem unsäglichen „Zigeu-nerschmalz", der angeblich die „Romantik"  jenes uralten fahrenden Volkes beschwört.
Angesichts der Sintirealität unseres Jahrhunderts bleibt dies nichts als Talmi. Mecky Balogs Solo-Gitarre zeigte brillante Läufe, denen man jedoch etwas differenziertere Phrasierung gewünscht hätte. Alexander Kraus als „Teufelsgeiger" paarte jugendliches Können mit musikalischer Forschheit. Joschi Grafs Rhythmusgitarre war heftig übersteuert. Seine etwas unglückliche Liebe zum Gesang war iedoch unüberhörbar.
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